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Weitere Aussichten heiter: CeBIT 2011 im Zeichen der Cloud.

März 13, 2011

Impressionen eines aufgeschlossenen aber technisch-unbedarften Kommunikationsberaters

Alles redete von der Cloud. Nun mag es am Wesen dieses von Natur aus amorphen Gebildes liegen, dass der Begriff trotzdem denkbar unscharf blieb auf der #CeBIT2011. Selbst die Global Conference #cgc11 als mehrtägiger Experten-Treff konzipiert brachte keine finale Aufklärung. Sicher war das weniger der Auftritt der Theoretiker als der der Macher und Machtmenschen. Aber wer, wenn nicht sie, haben die Kraft Begriffe und Standards zu definieren. Aber diese Zeit scheint noch nicht gekommen. Vielmehr erweist sich die Cloud als sehr dankbar, um unter ihr sehr persönliche Sichtweisen und Strategien in Stellung zu bringen.

So gibt es nicht wenige, die in der viel gepriesenen Cloud nur den Wiedergänger der uralten Großrechner-Ideologie sehen. Und die Geister scheiden sich, ob das gut oder schlecht ist. Wird jetzt endlich dem PC-Irrsinn ein Ende bereitet, der nur eine Verschwendung von Ressourcen, Material und Rechenleistung ist? Oder bedeutet die Cloud das Ende von Freiheit und Individualität? Die Fronten zwischen Anarchie, Demokratie und Diktatur laufen zurzeit noch mitten durch die Rechner- und Netzstrukturen. Freuen sich die einen über das Ende der Microsoft-Herrschaft, sehen die anderen schon das noch dunklere Zeitalter des Googles hereinbrechen. Auch ist nicht ausgemacht, ob Apple nicht mit dem Moloch iTunes und iStore schon auf die dunkle Seite der Macht gewechselt ist, und die glänzenden Pods, Pads und Phones nur die Köder eines nur stylischeren Daten-Gulags sind.

So treibt die Diskussion gerade auf der #cgc11 schöne Blüten, die jedem technisch versierten Dekonstruktivisten die Smileys wahlweise ins Gesicht oder auf die Tastatur zaubern. So wird schon zwischen Cloud1 und Cloud2 unterschieden. Cloud1, lernen wir, gibt es schon seit Jahren, spätestens seit Amazon, eBay und Web-Mail. Also einfache Rechner- und Speicherangebote aus dem Netz. Das wahrhaft Revolutionäre – die Cloud2 und damit auch der Fortschritt gegenüber altem Client-Host-Denken – ist die angebotsgetriebene Vielfalt und die mobile Ubiquität der neuen virtuellen Intelligenz. Nie da gewesenes Wissen sollen entstehen: überall, für jeden, in jeder Form – kurz jedem das Seine. Markt, Technologie, Autonomie der Nutzer und Können der Entwickler fügen sich zu einen selbst organisierenden System, das für scheinbar jedes Problem eine Lösung aus Informationen bereithält: jedem nach seinen Bedürfnissen, jeder nach seinen Möglichkeiten. Technische Utopien sind ideologieübergreifend.

Aber nicht jeder will sein persönliches Glück oder das seines Unternehmens der Schwarmintelligenz überantworten. Nicht wenige Unternehmer bleiben misstrauisch gegenüber der von den Stars der Cloud propagierten Sozialisierung der Lösungsintelligenz im freien Angebot der Software as a Service. Wenn Informationen und daraus abgeleitetes Wissen der Treibstoff des 3. Millennium sind, wie kann man dann die Verfügungsgewalt darüber aus den Händen geben und seinen Wettbewerber mit dem gleichen Sprit fahren lassen wie man selbst. Die logische Konsequenz ist das Paradox der Private Cloud. Aber die Grenzen der technischen, juristischen und ideologischen Virtualität blieben dann doch weitgehend unausgelotet, noch eint Entwickler, Vermarkter und Nachfrager die sonnige Aufbruchstimmung auf der Bonanza.

Dass ziemlich sicher nicht alles Gold ist, was da noch glänzt, lernen wir beim Blick auf einen Service, der immer gerne als Vision für die IT herangezogen wird, die Stromversorgung. IT als Commodity, die jederzeit nach individuellen Bedürfnissen zur Verfügung steht und wie Strom aus Steckdosen kommt – auch wenn das viele IT-Administratoren aus Angst um ihre Macht noch nicht wahrhaben wollen. Die Stromindustrie – 100 Entwicklungsjahre weiter als die IT-Industrie – kämpft interessanter Weise unter dem auch auf der #cgc11 präsenten Schlagwort Smart Grid inzwischen damit, dass es immer schwieriger wird, den Strom in die und aus der Steckdose zu bekommen. D.h. unsere Datennetze werden in der Cloud gerade immer simpler während unsere Stromnetze an Komplexität deutlich zulegen müssen, um überlebensfähig zu bleiben. So dass wir wahrscheinlich nicht lange warten müssen, bis wir erfahren, dass sich die Verheißungen des „Surf & Work“ der Cloud – als Nachfolger des „Plug & Play des PC“ – doch nicht erfüllen und wir dringend die Smart Cloud 3.0 brauchen. Auf ein Neues zur #CeBIT2012

Typische Fragestellungen und Axiome der Kommunikationswissenschaft (Handbuchartikel 3. + 4. Teil)

Mai 3, 2009

3. Typische Fragestellungen in der Wissenschaftsdisziplin!

Wenn man den Interessens-Kern der Kommunikationswissenschaft – die es ja, wie wir in 2. gesehen haben, so klar umrissen gar nicht gibt – in der Beschreibung des Entstehens von individuellen Welt-Verstehens-Systemen und der Gestaltung dieser Systeme im Austausch mit sozialen Gruppen und deren (anderen) Individuen sieht, ergeben sich folgende typische Fragestellungen:

1) Wie entstehen im einzelnen Kommunikations-Akt, z.B. dem Gespräch, und im Lebenslauf eines Individuums Wissen, Einstellungen und Verhaltensmuster?
2) Wie lassen sich Wissen, Einstellungen und Verhaltensmuster durch Kommunikations-Akte und Kommunikations-Systeme technischer und sozialer Art beeinflussen?
3) Welche Einflüsse haben bestimmte soziale Formen und Technologien (auch Medien genannt) auf den Verlauf und die Ergebnisse von Kommunikation?
4) In welchem Wechselverhältnis stehen subjektives Kommunikationsverhalten und Kommunikationsinhalte mit intersubjektiven, sozialen Prozessen, Strukturen und Inhalten?

Letztlich folgt daraus:

5) Welche Aussagen können aus Sicht eines jeden Einzelnen und aus Sicht einer sozialen Gemeinschaft über die Verlässlichkeit, Steuerbarkeit und Stabilität von Kommunikation gemacht werden?
6) Und kann Kommunikation im Sinne subjektiver Werte und Bedürfnisse sowie sozialer Werte und Bedürfnisse entwickelt und gestaltet werden?
Dabei können physiologische, ethische, funktionale, ästhetische, ökonomische und viele andere Maßstäbe herangezogen werden.

4. Typische Axiome bzw. Theoreme in dieser Wissenschaftsdisziplin!

Die folgenden Theoreme stellen die Essenz von Kommunikation dar. Dort wo es einer Erläuterung zwingend bedarf, habe ich sie gemacht. Ich habe aber bei allem Risiko (siehe den fünften Punkt) versucht weitgehend darauf zu verzichten.

• Du kannst nicht nicht-kommunizieren. Das populärste aller Kommunikations-Axiome. Allerdings falsch, wenn man unter Kommunikation einen wechselseitig absichtvollen Prozess versteht. Richtig ist vielmehr, man kann sich nicht dagegen wehren, von anderen (auch falsch) interpretiert zu werden, selbst wenn man nichts ausdrücken wollte.
• Kommunikation ist ein Prozess.
• Kommunikation ist intentional. Alles was nicht-intentional ist, ist etwas anderes.
• An Kommunikation sind (mindestens) zwei Individuen beteiligt. Allerdings wird über den Punkt, ob die Individuen Menschen sein müssen, viel gestritten. Und die Beteiligung kann durchaus indirekt (über Entfernungen und Zeiten) sein.
• Kommunikation kann scheitern – bemerkt und unbemerkt
• Kommunikation ist Arbeit. Wesentliche Teile der Arbeit werden nicht für die inhaltlichen Elemente, sondern für die Aufrechterhaltung und die Gestaltung der Rahmenbedingungen (z.B. physische Wahrnehmbarkeit, subjektive Sympathie, soziale Hierarchie) aufgewendet – und müssen dies auch
• Die Subjektivität jedes Einzelnen ist unhintergehbar.
• Kommunikation objektiviert sich (nur) außerhalb der Kommunikatoren.
• Kommunikation ist kein (reiner) Wahrnehmungs- sondern ein Gestaltungsprozess.
• Kommunikation kein Austauschprozess. Sie wird zwar von wechselseitiger Interaktion begleitet, dabei wird aber nichts übergeben, z.B. Information. Vielmehr handelt es sich dabei um einen gemeinschaftlichen Gestaltungsprozess. Gestaltet werden zwei Welttheorien und ein intersubjektives Medium.
• Alles ist Zeichen. Nicht alles ist nur Zeichen. Alles Belebte und Unbelebte kann durch Interpretation eine Bedeutung erlangen. Nur als Zeichen können wir uns Bedeutungen z.B. innerhalb von Kommunikation aneignen. Es gibt z.B. physische Qualitäten, die über eine zeichenhafte Bedeutung hinausgehen, selbst wenn sie uns wiederum nur als Zeichen vermittelt werden. Z.B. das Gewicht eines Steins, gegen den ich mit meinem Fuß stoße.
• Medien sind nicht neutral, in Bezug auf Kommunikationsverlauf, -inhalt und –ergebnis.

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