1. Anfänge Ursprünge Quellen der Wissenschaftsdisziplin!
Das Nachdenken über Kommunikation ist vielleicht so alt, wie das Nachdenken über den Menschen an sich. Die Frage, wie erschließe ich mir und anderen die Welt, beschäftigt Philosophen seit der Antike aber auch in nicht-westlichen Kulturkreisen sind diese Themen von Anbeginn an zentral für religiöse und weltliche Erkenntnis. Das Höhlengleichnis (die Welt teilt sich uns nur als Schatten ihrer selbst mit) und die Rhetorik (kann ich die Worte so formen, dass sie beim Zuhörer die von mir gewünschte Wirkung erzielen, oder gibt es darüber hinaus universale logische oder ethische Kriterien?) sind zeitlose Anker, wenn ich mich der Kommunikation kritisch, nähern will. Viele Denker der Geschichte von Augustinus über Leibniz und Locke bis zu Hegel und Nietzsche haben sich mit Kommunikation beschäftigt, auch wenn sie dabei andere Begriffe wie Argumentieren, Sprechen, Erkennen, Ideen oder Verstehen benutzt haben. Aber es wäre vermessen, all diese Denker mit dem Label Kommunikationswissenschaftler versehen zu wollen. Es ist ja eine Tücke des heute allgegenwärtigen Begriffs Kommunikation, das er viel, alles oder gar nichts bedeuten kann. Weist ‚Kommunikation’ doch alle Eigenschaften der Wortklasse auf, die Uwe Pörkensen so treffend Plastikwörter genannt hat.
Den Anfang einer Kommunikationswissenschaft im eigentlichen Sinne würde ich auf den Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert datieren, wo verschiedene wissenschaftliche Strömungen begannen, das, was wie heute Kommunikation nennen, als Erkenntnisgegenstand herauszulösen und uns so erst in die Lage brachten, uns damit aus einander zu setzen, wie Kommunikation funktioniert und was sie bewirkt. Da sind die deutschen Sprachkritiker wie Philip Wegener (1848 – 1916) oder Fritz Mauthner (1849 – 1923) zu nennen, ebenso wie der Stammvater des strukturalistischen Denkens und Begründer der modernen Sprachwissenschaft Ferdinand de Saussure (1857 – 1913). Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) steht für den communicational turn in der Philosophie, ist aber auch nur Ausdruck einer Zeit, die begonnen hat die Grenzen des Sprachspiels auszuloten und die Wirkungen von Kommunikation von der Naturwissenschaft über die Gesellschaft bis zum (unbewussten) Befinden eines jeden Einzelnen zu ergründen.
Einen letzten großen Schub hat die Kommunikationswissenschaft mit einem einfach ingenieurs-wissenschaftlichen Werk der „Mathematical Theory of Communication“ von Claude Shannon und Warren Weaver bekommen. In den Zeitgeist der wachsenden Technisierung und Computerisierung der Nachkriegszeit der 50ziger Jahre des letzten Jahrhunderts platzierten sie die Metapher von Kommunikation als Sender-Empfänger-Regelkreis, die Kommunikation ebenso in die schulischen und universitären Lehrpläne getrieben hat wie in das Vokabular von Politikern und Managern. Interessanter Weise haben sich sogar die gesellschaftskritischen und sozialen Bewegungen der 60er, 70er und 80er Jahre dieses zumindest menschenfreien, wenn nicht sogar menschenverachtenden Kommunikations-Modells bedient. So dass Kommunikation heute ein generischer Begriff für all zu viele menschliche, mediale, symbolische und technische Phänomene ist.
